sozialpolitischer Martinstag – wie ergeht es Künstler*innen in der Pandemie?

Das Thema war „noch nie dran“ beim sozialpolitischen Martinstag der seit vielen Jahren immer am 11.11. gemeinsam durch den Kirchenbezirk Markgräflerland und dem Diakonischen Werk im Landkreis Lörrach organisiert wird. In verschiedenen Formaten soll dabei die Möglichkeit geschaffen werden, sozialpolitisch aktuelle Themen mit Fachleuten, Interessierten und Betroffenen zu beleuchten.

Auch wenn es aktuell sicher viele Themen gegeben hätte, beschloss man im Aufsichtsrat des Diakonischen Werks im Landkreis Lörrach, ein „ungewöhnliches“ Thema auszuwählen. Denn durch die Pandemie haben sich Lebenslagen plötzlich mehr oder wenig stark verändert.

Wie geht es den Menschen, die davon leben, andere Menschen zu unterhalten und die alles dafür tun, dass diese mit neuer Energie und „einem Lächeln auf dem Gesicht“ nach hause gehen? Und das in Zeiten, in denen Menschen sich nicht in größerer Zahl treffen dürfen?

Das sollte mit Interessierten und Betroffenen in einem neuen Format ausgetauscht werden. Leopold Kern, Coach und Theaterleiter des „Musitheater im E-Werk – Freiburg“ war sofort begeistert von der Idee. Entwickelt wurde dann ein Format aus Unterhaltung und Information mit Möglichkeiten zum Austausch.

Am 11.11.21 fand dann im Paul-Gerhardt-Haus der Christuskirche Lörrach der sozialpolitische Martinstag mit dem Titel „Kunst in Coronazeiten“ statt.

Herr Leopold Kern reiste mit dem Ensemble „die Schoenen“ an und moderierte nach einer kurzen Begrüßung von Karin Racke und Volker Hentschel (Geschaäftsführerin und stellv. Geschäftsführer des Diakonischen Werks im Landkreis Lörrach) durch den kurzweiligen Abend.

„Operette sich wer kann“ hieß das Stück, mit dem sich Leopold Kern, Katrin Mayer (Sopran) Rubén Olivares (Tenor) und Max Langer (Klavier) beschäftigen und aus dem große Teile an diesem Abend dargeboten wurden.

Schnell wurden die Gäste (die Veranstaltung fand unter den 2G-Regeln statt, Masken wurden auch am Platz getragen) von den Künstler*innen „mitgerissen“ und konnten in die Welt der Operette eintauchen.

Dazwischen berichtete Leopold Kern aus dem Alltag eines Theaterleiters seit März 2020 und dem Kampf um das Überleben. Er betonte dabei auch, dass die staatlichen Hilfen „letztendlich ankamen“ und die Hoffnung, dass „sein Theater“ überleben wird, war deshalb groß. Zum Teil wesentlich schwieriger hatten es die drei jungen Künstler*innen, die sich bei Ausbruch der Pandemie in sehr verschiedenen Situationen befanden und alle auch Momente hatten, in denen sie ans „Aufgeben“ dachten. Eine Festanstellung hatte niemand und das Geld blieb aus. Glück hatte, wer zum Beispiel wieder zurück „in das Kinderzimmer zu den Eltern“ konnte oder bereits eine Eigentumswohnungs hatte. Es mussten Jobs angenommen oder z.B. Straßenmusik gemacht werden. Das Stück „Operette sich wer kann“, speziell in der Pandemie entwickelt und mit öffentlichen Mitteln gefördert, „hat uns gerettet“ – da waren sich alle drei einig.

„Wie viele Künstler*innen suchen sich etwas Neues und kehren dem Künstlerdasein den Rücken?“ war zum Besipiel eine Frage aus dem Publikum. Das seien bis jetzt eher wenige war die Antwort von Katrin Mayer. Die, die irgendwie können werden versuchen sobald es geht wieder als Künstler*in zu arbeiten. „Das ist eine Herzensangelegenheit“, so Katrin Mayer. Es komme aber sehr auf die individuelle Situation an – wer zum Beispiel für eine Familie sorgen muss, muss eine andere Arbeit suchen, kommt dann nicht mehr zum trainieren / üben und muss letztendlich die Künstlertätigkeit aufgeben.

Die Schlussworte sprach die Dekanin des evangelischen Kirchenbezirks Markgräflerland, Frau Bärbel Schäfer und übereichte den Künstler*innen ein kleines Präsent. Sie zeigte sich beeindruckt von den Berichten und auch der Musik, welche „ihr Herz berührt“ hat. „Ich habe an diesem Abend gemerkt, was uns seit eineinhalb Jahren fehlt“, so Frau Schäfer.

Auch die Künstler*innen waren beeindruckt –  „Es war ein schöner und intensiver Abend. Uns hat es gut gefallen und es war sehr schön für uns, über unsere Erfahrungen sprechen zu können.“

Die BZ berichtete am 13.11. https://www.badische-zeitung.de/aus-angenehmer-pause-wird-eine-grosse-anstrengung–206399968.html